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Zum Zeitpunkt der deutschen Wiederver-

einigung stand Neustrelitz vor der Heraus-

forderung, das baukulturelle Erbe der

früheren Residenz- und Landeshauptstadt

vor dem endgültigen Verfall zu retten. Da-

rüber hinaus galt es Baulücken zu schließen

und neue Perspektiven für Gewerbebrachen,

zum Beispiel am Zierker See, zu entwickeln.

Tragfähige Konzepte für zeitgemäße Nut-

zungen wurden gebraucht, um die Innen-

stadt zu einem attraktiven Standort für

Wohnen, Wirtschaft und Tourismus mit

der dazu benötigten Infrastruktur zu ent-

wickeln, der dem schützenswerten Bestand

sowie veränderten modernen Anforderun-

gen gerecht wird.

Wie viele Orte in den ostdeutschen Bundes-

ländern kann auch Neustrelitz nach 25 Jah-

ren eine beachtliche Zwischenbilanz in der

Stadterneuerung ziehen.

Ein erster entscheidender Schritt war 1991

die Ausweisung des Sanierungsgebietes

„Stadtdenkmal Neustrelitz“. Es umfasst

118 Hektar, erstreckt sich zwischen Zierker

See und Bahnhof, Louisenstraße und Tier-

gartenstraße und wird mit Hilfe von Förder-

programmen des Landes, des Bundes und

der Europäischen Union restauriert.

Bis zum 31. Dezember 2015 sind mehr als

101 Millionen Euro für die bauliche Wieder-

belebung in der Innenstadt eingesetzt wor-

den. Diese öffentlichen Mittel kamen 252

privaten Modernisierungen, 21 Sofort- und

Sicherungsmaßnahmen, 11 Maßnahmen an

öffentlichen Gebäuden, 67 Erschließungs-

maßnahmen, 34 Ankäufen und 71 Rück-

baumaßnahmen zugute. Sie wurden

im Wesentlichen aus den Programmen

Innenstadt mit neuem Image

„Allgemeine Städtebauförderung“, „Städte-

baulicher Denkmalschutz“, „Stadtumbau

Ost“, „Aktive Stadt- und Ortsteilzentren“,

„Kleine Städte und Gemeinden“ sowie aus

dem landeeigenen Programm bereitgestellt.

Die Stadt Neustrelitz ist in der Regel finan-

ziell zu einem Drittel am Förderprogramm

beteiligt und hat darüber hinaus bisher

über 12 Millionen Euro zusätzliche Eigen-

mittel zur Verfügung gestellt.

Dabei ist zu bedenken, dass der wirtschaftli-

che Effekt der Städtebauförderung wesent-

lich größer ist. Auswertungen besagen, dass

ein Euro aus Fördermitteln sieben Euro an

Bauinvestitionen auslösen.

Dass heute die Schönheit der Stadt wieder

deutlich sichtbar ist und das Leben in das

Zentrum zurückkehrt, ist das Ergebnis

gemeinsamer Anstrengungen von öffent-

licher Hand und privaten Bauherren. Die

Stadt Neustrelitz hat von Beginn an der

Förderung der privaten Baumaßnahmen zur

Sanierung der Wohn- und Geschäftshäuser

hohe Priorität eingeräumt. Rund ein Viertel

aller Mittel sind bisher in diesen Bereich

geflossen.

Die Städtebauförderung hat Anreize für

erhebliche Investitionen im privaten Bereich

geschaffen. Neustrelitz ist die erste Stadt in

Mecklenburg-Vorpommern, die ein Konzept

für die Förderung von Bauherrengemein-

schaften entwickelt hat. Im Rahmen dieser

„Bauherrenmodelle“ setzen Bauwillige ein

Projekt gemeinsam, aber im Teileigentum

um. Da sich so für den Einzelnen das wirt-

schaftliche Risiko einer Modernisierung

reduziert, wird die Motivation, sich in der

Innenstadt zu engagieren, wirkungsvoll

unterstützt. So steigen auch für große oder

besonders aufwändige Objekte die Vermark-

tungs- und Modernisierungschancen. Seit

2005 wurden sechs Bauherrenmodelle in

der Stadt umgesetzt. Die Wohnungen wer-

den von den Bauherren überwiegend selbst

genutzt, teilweise auch vermietet.

Mietwohnungen im Denkmalbereich sind

dank der umfangreichen Sanierungen und

Außenbereichsgestaltungen für Singles,

Familien und Senioren wieder interessant

geworden. An der Aufwertung der Innen-

stadt beteiligen sich die Neustrelitzer

Wohnungsgesellschaft neuwo und die

Gemeinnützige Wohnungsgenossenschaft

GWG unter anderem durch die Schaffung

attraktiver Wohnhöfe. Die Wohnhöfe ver-

binden oft mehrere nebeneinander liegende

Grundstücke zu Quartieren mit restaurier-

ten Wohnbauten und mieterfreundlich

gestalteten Höfen und Hausgärten. Darüber

hinaus wird das Stadtzentrum zunehmend

ein Standort für altengerechtes und betreu-

tes Wohnen. Gerade bei der Modernisie-

rung großer Gebäude aus der Bauphase der

Gründerzeit haben Architekten und Bauher-

ren überzeugende angepasste Lösungen

gefunden. Neben der Sanierung des his-

torischen Bestandes wurden seit 1990 auch

Brachflächen und Baulücken beseitigt. So

sind zentral gelegene Eigenheime am Sand-

berg, an der Bleiche, an der Alten Gärtnerei

und im Seegang entstanden.

Neben dem Wohnkomfort trägt eine gut

ausgebaute öffentliche Infrastruktur für alle

Generationen dazu bei, dass es sich in der

Innenstadt gut leben lässt. Rund 25 Prozent

der Mittel aus der Städtebauförderung